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2026

Liestal

Nominiert 2026

Eine infrastrukturelle Meisterleistung angesichts der Komplexität des Standorts

Liestal hat zwischen 2019 und 2025 eine umfassende Umgestaltung des Bahnhofsgebiets abgeschlossen. Die Vielzahl der Arbeiten sowie das Zusammenspiel der beteiligten Akteure waren von aussergewöhnlicher Komplexität. Besonders bemerkenswert ist, dass dieses Projekt erfolgreich umgesetzt werden konnte, ohne den Bahnbetrieb während der gesamten Bauzeit zu unterbrechen.

Leistungskennzahlen

1. Hohe Funktionalität

Das Projekt war in erster Linie notwendig, um die Anordnung der Gleisanlagen zu korrigieren. Die zahlreichen Gleiskreuzungen führten bisher zu Kapazitätsengpässen und beeinträchtigten die Stabilität des Fahrplans. Zur Behebung dieser Probleme mussten ein viertes Gleis gebaut und das gesamte Gleisfeld neu konzipiert werden. Dies erfolgte unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen, da die Stadt den Bahnhof eng umschliesst und die Topografie des Gebiets besonders herausfordernd ist.
Die Reisenden profitieren heute von zahlreichen Verbesserungen. Zwei mit Rampen und Treppen ausgestattete Unterführungen ermöglichen den Zugang zu den Perrons und verbinden die Quartiere auf beiden Seiten des Bahnhofs. Auf der Westseite wurden die Ausgänge der beiden Unterführungen grosszügig gestaltet und hochwertig ausgestattet. Sie verfügen über Treppen, Rampen, Vordächer, Velounterstände etc.
Gleichzeitig mit dem Ausbau der Gleisanlagen entstand entlang der Gleise ein neuer, weitgehend ebener Weg für Fussgängerinnen, Fussgänger und Velofahrende, der Hindernisse wie den Fluss oder den Strassentunnel überwindet.
Die Neugestaltung der Bahnperrons bot die Gelegenheit, eine unterirdische Velostation zu schaffen, die auch vom Strassentunnel aus zugänglich ist und direkt mit der nördlichen Personenunterführung verbunden ist. Die kostenpflichtige Velostation verfügt über 500 Abstellplätze.
An den Ausgängen der Unterführungen stehen weitere 540 kostenlose Veloplätze zur Verfügung. Westlich der Bahngleise umfasst das Projekt ausserdem eine gut gelegene P+R-Anlage mit 85 Parkplätzen auf zwei Ebenen.
Der Bahnhofsplatz wurde neu gestaltet und grösstenteils dem Busverkehr vorbehalten. Sieben Stadtbuslinien sowie zwei PostAuto-Linien bedienen den Bahnhofsplatz. Die Haltekanten sind als Sägezahn-Bussteige ausgebildet, wodurch die Wege zwischen Bahn- und Busperrons möglichst kurz gehalten werden. Darüber hinaus verfügt die regionale Waldenburgerbahn über ein eigenes Gleis und einen eigenen Perron,.

2. Ein Stadtentwicklungsprojekt mit durchwachsenen öffentlichen Räumen

Das Projekt bot auch die Gelegenheit für eine umfassende Immobilienentwicklung. Zunächst entstanden polygonale Gebäude zwischen dem Bahnhofplatz und der Stadt, später langgestreckte Gebäude entlang der Bahntrasse. Diese Bauten beherbergen verschiedene Geschäfte, Aktivitäten und Wohnungen.
Der Orisbach fliesst unter dem Bahnhof hindurch. Im Rahmen der Neugestaltung wurde entlang des Gewässers ein Fussweg geschaffen, der eine zusätzliche Verbindung zwischen den östlichen und westlichen Stadtteilen herstellt. Rund 150 Meter südlich des Bachs schafft eine Fussgängerbrücke am höchsten Punkt des Areals eine vierte Querungsmöglichkeit über die Bahngleise.
Die nächsten Entwicklungsschritte betreffen die Umgestaltung des Postgebäudes und des Kantonsgerichts im südöstlichen Teil des Areals. Diese Projekte bieten die Gelegenheit, eine bessere Verbindung zur historischen Altstadt herzustellen.
Obwohl die hohe Komplexität des Standorts eine erhebliche Herausforderung darstellte, bedauerte die Jury, dass die Gestaltung des Bahnhofplatzes keinen einladenderen und stärker begrünten öffentlichen Raum hervorbrachte. Die nächste Entwicklungsphase könnte dazu beitragen, die bestehenden Einrichtungen wie die Kantonsbibliothek, das Kulturhaus Palazzo, die Post und das Kantonsgericht besser in das Gesamtbild zu integrieren und einige offene Flächen für Fussgänger attraktiver und nutzbarer zu gestalten. Dies wäre auch eine Gelegenheit, die Anzahl der Sitzbänke und Sitzmöglichkeiten für wartende Reisende zu erhöhen.
Die Jury ist zudem der Ansicht, dass das Fehlen von Aufzügen beim Zugang zu den Perrons und zur Unterführung eine verpasste Chance im Rahmen einer Sanierung dieser Grössenordnung darstellt.