2026
Sursee
Nominiert 2026
Eine Gemeinde, die mit ihrem Bahnhof die Intermodalität zwischen Bus und Velo vorbildlich verbessert
Das Projekt zur Neugestaltung des Bahnhofsumfelds basiert auf zwei herausragenden Elementen: einem architektonisch bemerkenswerten Busbahnhof im Süden und einer grosszügigen unterirdischen Velostation im Norden. Als Umsetzung des Masterplans von 2015 wurde das Projekt 2020 öffentlich aufgelegt. Im Jahr 2022 genehmigte die Bevölkerung in einer Volksabstimmung einen Kredit von 24 Millionen Franken.
Leistungskennzahlen
1. Ein prägender Busbahnhof, eröffnet 2024
Sursee liegt nur 20 Minuten von Luzern und Olten entfernt. Der Bahnhof wird derzeit von 14 regionalen Buslinien bedient, was täglich rund 500 Ankünfte und Abfahrten sowie rund 5’500 Fahrgäste im Regionalbusverkehr entspricht. Die Stadt zählt etwa 11’000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie rund 14’000 Arbeitsplätze. Da der grösste Teil des Siedlungsgebiets weniger als 1,5 Kilometer vom Bahnhof entfernt liegt, ist das Velo besonders attraktiv für die Anbindung an den Bahnhof.
Aufgrund der Platzverhältnisse erwies sich eine parallel zu den Bahngleisen angeordnete Bushaltestellenanlage als optimale Lösung. Der 110 Meter lange Mittelperron wird von einer eindrucksvollen lichtdurchlässigen Überdachung geschützt. Die Busse verkehren im Linksverkehr rund um die zentrale Plattform, sodass die Fahrgäste auf der sechs Meter breiten Mittelinsel komfortabel und wettergeschützt warten oder aussteigen können.
Die Plattform ermöglicht einen hindernisfreien Einstieg (gemäss Anforderungen für mobilitätseingeschränkte Personen) für jeweils zwei Buspaare auf jeder Seite, insgesamt also acht Haltekanten. Zwischen den Haltebereichen ist die Plattform abgesenkt, wodurch die Fahrgäste die Fahrbahn sicher queren können, alternativ ist dies auch an den Enden der Plattform möglich. Eines der Plattformenden befindet sich lediglich zehn Meter von der zentralen Personenunterführung des Bahnhofs entfernt.
Die Gestaltung entstand im Rahmen eines Wettbewerbs. Besonders innovativ ist die Konstruktion des rund 120 Meter langen und 10,8 Meter breiten Dachs. Es erinnert an eine riesige Linse, die ein gelbliches Licht abstrahlt. Eine filigrane Stahlkonstruktion trägt die ovale Form von innen. Die Hülle besteht aus zwei Kunststoffmembranen, die durch einen leichten Luftüberdruck ihre elegante, mandelförmige Gestalt erhalten.
2. Eine Velostation der Superlative, eröffnet 2026
Das zweite zentrale Element ist die neue unterirdische Velostation unter dem Bahnhofsplatz. Die Anlage ist 170 Meter lang, bietet rund 1’100 kostenlose Abstellplätze und ist über zwei Rampen zugänglich. Nach dem Abstellen des Velos gelangen die Nutzerinnen und Nutzer direkt zu den beiden Personenunterführungen, die zu den Bahnsteigen führen.
Die Dimension des Bauwerks und die kostenlose Nutzung unterstreichen den klaren Willen, nachhaltige Mobilitätsformen zu fördern. Zum Schutz vor Vandalismus ist die Anlage mit 14 Kameras ausgestattet. Die Anlage kostete insgesamt 10 Millionen Franken, wovon etwas mehr als 4 Millionen von der Gemeinde finanziert wurden. Mehrere Nachbargemeinden beteiligten sich ebenfalls an der Finanzierung, was die regionale Bedeutung des Veloverkehrs unterstreicht.
Ergänzend zur Velostation stehen weitere 500 Veloabstellplätze im Freien zwischen den Bahngleisen und dem Busbahnhof sowie zusätzliche Plätze auf der Westseite des Bahnhofs zur Verfügung.
3. Funktionale Gestaltung des Bahnhofsplatzes
Der Bahnhofsplatz ist heute zur Hälfte als Tempo-30-Zone ausgestaltet und zur anderen Hälfte dem Busverkehr vorbehalten. Durchgangsverkehr ist nicht mehr möglich.
Es stehen sechs Park-&-Ride-Plätze (P+R), sieben Kurzzeitparkplätze sowie vier Taxistandplätze zur Verfügung. Zusätzlich wurden unmittelbar neben dem Eingang zur zentralen SBB-Unterführung zwei weitere Bushaltekanten geschaffen. Diese dienen insbesondere dem Aussteigen von Fahrgästen und erleichtern Anschlüsse an den Bahnverkehr bei verspäteten Bussen. Im südlichen Bereich ergänzt zudem eine Park-and-Ride-Anlage mit 50 Parkplätzen das Angebot.
Aus gestalterischer Sicht weist der Bahnhofsplatz allerdings einen hohen Anteil an versiegelten und mineralischen Flächen auf. Aufgrund der darunterliegenden Velostation konnten keine Bäume gepflanzt werden. Dieser Aspekt wurde von der Jury kritisch beurteilt, obwohl südlich des Areals auf beiden Seiten des Busbahnhofs begrünte Flächen vorhanden sind.
4. Raum für zukünftige Entwicklungen
Die Gemeinde hat bei der Umsetzung pragmatisch gehandelt und sich auf jene Bereiche konzentriert, die in ihrem direkten Einflussbereich lagen. Sämtliche Anlagen wurden so konzipiert, dass zukünftige Veränderungen am Bahnhof und in den angrenzenden Quartieren nach dem Prinzip der aufwärtsgerichteten Kompatibilität umgesetzt werden können.
Diese möglichen Weiterentwicklungen umfassen sowohl den Rückbau und die anschliessende Verdichtung benachbarter Baublöcke als auch ergänzende Gestaltungen des Bahnhofplatzes, den Bau eines künftigen vierten Bahngleises, die Absenkung des bestehenden südlichen Personenuntergangs beim Bahnhofsgebäude sowie einen dritten Personenuntergang zur Verbindung des südlichen Bereichs der Busdrehscheibe mit dem Ende der Bahnperrons.